Es grenzt an Besessenheit, aber nur im kleinen. Alle haben gesagt, dass Streaming das Hören irreversibel verändern wird. Stimmt auch. Lange habe ich mich gewehrt. Aber wie mit allem gibt es Vorteile:
Die ins kleinste Detail durchdachten Playlists zum Beispiel. Vor allem die Übergänge. Wie wenn Beethoven sich in der achten Sinfonie bis in die harmonischen outskirts verwirrt und man sich fragt, wie kommt er überhaupt von hier zurück? Mit Hammer und Schlägel, natürlich. Das perkussiv-instrumentale Trommeln bis ins Paradies hinein. Bis der Schädel zerbricht, vor Genialität zerbricht.
Ganz so hart geht es in meinen Playlists nicht zu. Aber die Befriedigung wenn Keith Jarrets „Someone to Watch Over Me” naht- und reibungslos in die Eb-Dur Allemande der Bach’schen französischen Suite No. BWV 815 hinübergleitet ist immens. Das muss man erleben. Und dann weiter genau so smooth, in “I Thrawl the Megahertz” von Prefab Sprout. Traumhaft.
Und ich denke still, ist es die geniale Nebeneinanderstellung von Stücken, oder die von mir programmierte Kette, an die ich mich gewöhnt habe? Ist nicht so wichtig: Musik ist Material und Form. Material in Form gebracht.
„Hers is the wingspan of the quotidian angel” und ich fliege weiter.
Unbenennbar schön, diese Sensation. Und dann weiterhören, immer weiterhören, in neue Gefilde hinein weiterhören.
Euer Mikael