Zurück in die Natur by Mikael Rudolfsson - Trombone

Im Stadion in Klagenfurt am Wörthersee gibt es gerade eine wunderbare Kunstinstallation mit 299 Bäumen die auf dem Fussballfeld temporär gepflanzt sind. Ein kärntnerscher Mischwald, mitten in einer Hochburg der kapitalistischen, neo-liberalen Gegenwart. Ich, der immer darauf beharrt habe, dass Sport nicht Kunst sei, bin begeistert. Und das ist doch Kunst mit Tatkraft - jeder Baum in dieser Größe spendet jährlich unglaubliche drei Millionen Liter Sauerstoff. Wenn Kunst derart voller Bewegungspotential ist und förmlich atmet, gehört sie unbedingt in den Kern der Gesellschaft.

Das verrückte Projekt "Hotel Paradiso" beim Transart Festival in Südtirol, das ich im September gespielt habe geht auch mit der Musik zurück an den Ursprungsort. Mit 36 Naturhörnern, 24 Tubas etc. und mir und meinen Kollegen Matthew und Janne als Solisten waren wir oben auf einer Wiese in unglaublichster Berglandschaft und haben den Nachhall der Dolomiten auf uns wirken lassen. Es ist höchste Zeit, wenigstens als Statement, genau dies zu tun. Erdnah verbunden, menschlich fühlt es sich an, und vielleicht erinnert es uns mehr daran, was getan werden kann, anstatt ständig nur schön zu reden. Raus in die Natur!

Meine glücklichste Momente dieses Sommers waren alle in der Natur am Meer. Es ist fast unglaublich, was es mit uns tut, wieder in den Elementen zu sein. Lass uns alle diese Erinnerungen aus dem Sommer frisch in uns bewahren und während des beginnenden Herbstes immer wieder hinausgehen, und in dem wir in die Natur wo wir hergekommen sind wieder hinausgehen, gehen wir auch hinein, in uns selbst und in eine bessere Zukunft.

Rückzugsorte by Mikael Rudolfsson - Trombone

Die Landschaft dort unten erscheint mir so unwahrscheinlich vielfältig schön und ich frage mich: wie haben es die modernen Bauern geschafft, derart kreativ in farbigen, scheinbar ungeplanten Strudeln zu stricken? Was wollen sie mir damit sagen?

Ich fliege durch den Himmel und ein neuer Gedanke prallt auf mich zu, wie ein entgegenkommendes Flugzeug: Es gibt kaum echte Rückzugsorte mehr. Ich meine, nicht abgelegene Orte zur Erholung, die gibt es schon. Nein, ich meine Rückzugsorte an denen man sich vor sich selbst zurückziehen kann, vor dem körpereigenen, ja fast vorprogrammierten Drang, ständig etwas zu machen, etwas zu verbessern, etwas zu leisten.

Langstreckenflüge wie dieser ermöglichen solche Erfahrungen. Es ist komplett erstaunlich, was es mit mir tut wenn ich weiß, dass mir die nächsten sechs oder acht Stunden nichts anderes als das passieren wird. In der Luft hängen. Im Moment sein. Eine Lücke in der Zeit, zwischen den Zeitzonen, ein einziges großes Hier-und-Jetzt und doch weit weg von der Gegenwart. Ein Ort an dem Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen.

Weit über dem Ozean in diesem Freiraum denke ich über meine Träume nach, über Verlorenes und Gefundenes, finde Sandkörner heutiger und gestriger Hoffnungen. Der reife, freie Moment kommt gerade wie wir die Küste Irlands verlassen und aufs offene Meer steuern. Das Meer. La Mer. Debussy, du hattest recht. Das bebend grüne unter uns, das frei fließende in uns.

Ornaments in Life by Mikael Rudolfsson - Trombone

That little extra unexpected thing that makes life shine even brighter. Like the person you meet, somewhere you didn't count on it. Or like suddenly realizing that it's the climate hero Greta Thunberg walking back and forth with her father in the train car on my way through the summer landscape.

Ornaments, or embellishments. As always, music helps me understand the rest of life. Surprising me, in the most wonderful manner, with small but important changes. That small sudden idea taking you from one bar to the next, the unexpected turn or trill around a note, contributing to the spontaneity and the excitement.

Which are your small gems around the notes? How do you keep the eternal changes of life flowing?

Or my favourite sequence of the (CPE) Bach flute sonata in g minor. Falling leaves. And nothing makes me feel more summery-like than this upwards falling sequence.

Sunny greetings,

Your Mikael

New Schwerpunkt CD by Mikael Rudolfsson - Trombone

A Berio fanfare covered in a cloud of lightness. A most refreshingly new piece by Vassos Nicolaou, nowhere near what you would expect from a brass quintet. Sounds from down below, from far away. Or screamingly close, everywhere around you, in 4K HD. Heavy points made perfectly clear, air sounds and velvet lazer chords, never-ending arpeggi chains and after all that: relaxing harmonic cushions. As well as world premiere recordings of Sofia Gubaidulina's Quattro and Benedict Mason's Brass Quintet.

Take a listen yourself.

The new CD by my Ensemble Schwerpunkt, released on the 17th of May 2019 on the Label NEOS.

Buy it here:
NEOS Music

or here

jpc Schallplatten Versandhandelsgesellschaft

Barenboim by Mikael Rudolfsson - Trombone

Der alte Maestro sitzt auf seinem Thron. Es geht ihm immer noch gut, aber er ist nicht mehr unangefochten. Er bleibt ruhig, obwohl die Welt um ihn tobt - vor Vorwürfen, vor großen Veränderungen, vor den Nachbeben der #metoo-Welle. Und, bei all seiner Grantigkeit und Dominanz hat er recht, auf seiner Erfahrung fundierend schaut er durch das Fenster der Klarheit und stellt fest:

"Es ist einer der großen Fehler unserer Zeit, dass wir Bildung mit Information verwechseln und Gleichheit mit Menschlichkeit."

So kurz kann man es zusammenfassen. Hätte ich nicht aufgepasst, das Geniale an diesem Satz wäre an mir vorbeigegangen. Aber es stimmt - ich habe es so oft mit meinen eigenen Augen gesehen - wie die selbsternannten "modernen" Menschen die wahren Werte und die ernsthafte Arbeit an der eigenen Persönlichkeit aufgeben und desperat nach dem Messbaren suchen. Messbare Dinge - wie Gleichheit oder Informationsflow, wie Geld oder Wachstum. Aber - die Realität und wir Menschen die ihr beiwohnen sind nunmal komplex, komplexer als wir manchmal wahrhaben wollen. Zum Glück ist der Maestro jetzt ist in Schwung gekommen, er ist nicht zu stoppen, er setzt fort:

"Wir sind nicht alle gleich, wir sind alle verschieden. Natürlich haben alle Menschen Anspruch auf die gleichen Rechte , egal wie verschieden sie sind. Aber unsere Unterschiede machen uns menschlich. Die Musik lehrt und das. In der Musik geht es um Kontrapunkt, um Kontraste."

Eben, der farbenreiche Schimmer der Schönheit: die Vielfalt und die Kontraste. Das eigene Leben als cantus firmus, in wunderbarster Relation zu den anderen Stimmen. Mit unzähligen, rätselhaften und aufregenden Spannungen und Reibungen. Alles vereint unter einem einzigen, großen Bogen. Lass uns kurz nachdenken und uns gemeinsam für die Polyphonie entscheiden! Für die unendlichen, spektralen Möglichkeiten unseres Daseins. Nur eine einzige einsame Stimme in einer monotonen und unharmonisierten Welt wäre so fad.

The Happiness Machine by Mikael Rudolfsson - Trombone

“Was ist das tollste Ergebnis von unserem Wohlstand?

Für mich ist es die Kultur, dass wir die Zeit übrig haben und Geld übrig haben und Menschen übrig haben, die in Opernhäusern und Theatern sich einfach nur mit Schönheit oder auch mit dem Lebensgeschehen beschäftigen. Sich damit beschäftigen, was ist das überhaupt, Mensch zu sein? Was kann das sein?

Für mich ist es die Musik. Das ist die Sprache, die ich am besten verstehe, wo ich diesen direkten Zugang hab, obwohl ich Theater liebe oder Literatur, natürlich, aber Musik geht so: „krk“ rein, ohne dass ich mich wehren kann, sie muss nicht erst mal durch den Kopf, und das ist glaub ich, wenn man diesen Zugang zu den Menschen finden kann, dann kann man was bewirken, will ich hoffen.”

Teaching Highlights 2019 by Mikael Rudolfsson - Trombone

Happy New Year!

2019 lies before us like a fresh, white, open and new exciting field of possibilities and for me, one focus for this coming year will be on teaching. Except from continuing teaching my expanding trombone studio at the Music and Arts University of the City of Vienna (application deadline 15th of February!) there will be a couple of different opportunities all over Europe to look forward to – and for you students to apply to!

Apply now and get ready to refresh your approach to playing the trombone!

All the best to all of you,
Mikael

Traces Seen Through Azzurro-blue Water by Mikael Rudolfsson - Trombone

I swim a lot. It's like meditaion. Stroke, stroke, stroke, breath, Stroke, stroke, stroke, breath. Rhythm and symmetry. Like music.

A swimming pool tells us a lot about a country. Take the French charming ones with the small private boxes for changing, or the perfectly organized but sometimes boring German ones with mixed nude sauna for men and women, or the Swedish one in the suburb where I grew up, with the water slide and the 25 meter pool where I played and swam as a child, claiming the "Simborgarmärket", a reward for being able to swim 200 metres.

I like the Italian piscine, where it's mandatory for everyone to wear a cuffia, a bathing cap, in order to keep clean (because the Italians are, in a strange way, the uncrowned cleanliness specialists of Europe). Or - recently discovered - the modern architechtural landmarks of rich cities in countries like Switzerland and Luxembourg.

By the way: the price for an indoor swim also tells us something about the politics of a country - not necessarily connected to the general price level of the country, but rather a representative of the philosophy behind the structure of a society, or the political agenda of a city - privatized and expensive in some places, or solidarily subsidized in others. Does your country care about its citizens and their well-being?

There are, of course, contrasts in all aspects of life, not only in the interesting field of swimming pools. And when you've experienced one thing which is new for you and changes your horizon for good, the old experineces will never be the same again, the new ones adding to the variety of experience. I thought this thought when I went through the Rijksmuseum in Amsterdam last week - after seeing the Rembrandts, no other portrait remains the same. There were, of course, excellent contemporaries of his. But no-one like Rembrandt: don't ask me how, but he manages to make his protagonists incredibly real, their personalities glowing through their faces. How can someone paint with oil on a plain piece of canvas, and achieve something like this? Giving us, the audience, the inceredible feeling that we already know the people on the pictures, that we feel the depth in their personalities through barely watching them? What a power art has! And how revealing it is. The clear wrinkles of age. The history of another human being, written on his or her face. Traces left, like waves of sand on a seabed, clearly visible through the azzurro-blue water.

Grandeur by Mikael Rudolfsson - Trombone

I traveled to France to feel the sweet breath of true greatness again. In the least humble city of all, in the shadow of the Sorbonne, the swell autumn air let my thoughts fly like swirling winds, high up in the air, my body sitting firmly on chairs or half-lying on sofas in cafés, finally relaxing and joyfully observing the self-confident manners of the Parisien.

This helped me realize one thing:

We should all allow a bit more Grandeur in our lives.

Politicians would then make their visions come true instead of permanently managing so called "crises". Composers would then get out of their comfort zone and dare to make something that tries to grasp the world, to create a universe of emotions, like Mahler, Stockhausen or Bach once did. And - most important of all - the common man or woman, people like you and I, would make it part of our agenda to grow in all directions: inwards, outwards, to expand as beings, in the true sense of the word.

So far so good. Time for a new Jugendstil maybe? An inspiringly new belle-epoque, an era where all the levels of style exist and grow parallel to each other and everything is allowed, but with us humans truthfully involved - instead of volunteering as digital cripples in the claws of Google and c/o, we'll build something new, something fresh, something smelling of autumn leaves and grand, new, sparkling ideas. Together.

Klang bündeln by Mikael Rudolfsson - Trombone

Klang bündeln, Geräusche einordnen, eingrenzen, der Musik freien Lauf lassen, so organisieren, dass die Schichten wahrnehmbar sind, dass das Ohr es alles annehmen kann.

In einer irgendeiner Partitur, bei Mahler, bei Haas, Grisey oder 5K HD, egal.

Schönheit, was ist das? Fragst du Lachenmann. Fragst du mich? Wenn du den Begriff Schönheit für dich aktualisierst, aktualisiert die Neue Schönheit dich.

Übrigens, es ist längst nicht vorbei mit der Neuen Musik. Wir haben gerade erst angefangen.

Neues Lebensjahr, neue Abenteuer.

Lägg örat mot marken och lyssna by Mikael Rudolfsson - Trombone

Lägg örat mot marken och lyssna. Hör trycket när kaffet lämnar espressobryggaren genom de nålsmå hålen i silen, lyssna noga på flyplansmotorernas gång och klapprandet av hovar mot taigan från tusentals renar.

Lägg örat mot marken och lyssna, men döm inte. Ta in klangerna och låt de verka i dig. Oavsett om det är Kraftwerk, Grisey eller Beethoven, oavsett om det är Stefan Prins eller Rameau. Alla är de revolutionärer på sitt vis.

Lägg örat mot marken och lyssna. Och kom inte till mig sedan och säg att det inte är musik. Öppna dig. Och öppna dina öron.

Välkommen hem efter sommaren! Välkommen till en ny höst, en ny klang. Musiken som en förlängning av den ljudvärld vi lever i.

Die Sache by Mikael Rudolfsson - Trombone

Jonathan Meese mag ein in allen Hinsichten extremer Künstler sein. Aber wenn er sagt: "In der Diktatur der Kunst regiert die Sache, wie Licht, Atmung, Gelee (Erz), Liebe oder totale Schönheit, wie z. B. Scarlett Johansson", dann hat er recht. Je mehr Musik ich spiele, je mehr Kunst ich sehe, desto wichtiger wird sie mir, diese Sache.

Die Sache, ohne sie geht es nicht. Gerade in einer Gesellschaft die sowohl überflutet als überfüllt ist: von gefälschten Nachrichten und digitalen Pseudowelten, von Informationsmüll und naiven Überzeugungen in dieser neuen medial kontrollierten Überwachungsdemokratie, gerade hier tut diese Einsicht so gut. Es gibt sie nämlich noch, die echte Sache, die Sache an die man glauben kann, glauben darf, glauben muss. Meese behauptet es, und ich entdecke sie jeden Tag in meiner Arbeit aufs Neue wieder.

Und wie befreiend war es nicht, bei der am vergangenen Wochenende stattfindenden Ernst von Siemens-Preisverleihung, die Musik von Beat Furrer zu spielen, nach drei ziemlich nichtsagenden Klangstudien dreier Förderpreisträger, die Erlösung: Furrers Musik: Musik mit Flow, Musik mit Bogen, Musik mit echten, erzählerischen Qualitäten.

Der Klang ist die Seele der Musik, das habe ich schon lange gedacht, und wenn wir die Echtheit in unseren Leben zulassen, unser Hören pflegen, und standhaft an dieser Sache festhalten, dann pflegen wir auch unsere Seele. Es regiert eben, die Sache.

Haydn by Mikael Rudolfsson - Trombone

Airport. Everyday life, normal people running about, searching for their gates. Lost smiles.

I turn on Haydn. The world as I know it disappears, every step feathers lightly on the concrete floor, I suddenly feel very human and appreciate the beauty of my fellow humans, my collegues in travel.

A mystic bassline, a line of chords, a knocking rhythm. Or is it more than that? I think so.

Time by Mikael Rudolfsson - Trombone

When I was younger, time seemed to be an unimportant factor in almost all aspects of life. I did things, took the time that was needed for them and looked what happened. If a new area of interest opened up, I followed my urge to explore more about it without thinking twice about how to arrange my life around it. If a problem occured, I always found the required amount of time to solve it.

But times changed, and the world as well. Everything got digitalized, fast, sometimes, I believe, even faster than the inner timing of us humans. More and more often I had the feeling that if I don't actively choose to do something to slow down the flow of this new reality, I would be automatically drawn with it, like a river bringing me along without asking.

In music, time is omnipresent. In the smallest musical universe (micro-timing) and in the long run, in the 10.000 hours it takes to learn a musical instrument, in the never-ending development of music itself. The most impressive moments I have experienced in music are the ones where time ceases to exist. Haven't you felt that as well? I have a favourite saying:

"Music doesn't take time, it takes place in time."

This is true. And, furthermore, it can help us in all other aspects of life. Listen to how Yo-Yo Ma flies timelessly between the phrases in the Bach Cello Suites. Experience how impossible it is to say, after Arvo Pärt's Fratres, if 3, 10 or 30 minutes have passed since the piece began. And listen to the best, bravest and most important solists of all time - how they wait, how they dare to be that risky tiny noch behind the orchestra, to how Glenn Gould slows down the Brahms first Piano Concerto. Steals the time...from whom? The universe? The composer himself?

My theory is that, if done correctly, we can steal the time back from The Man Who Collects Time, that bad grey-shaped evil wizard shamelessly collecting it while smoking his cigar. And the place where we can learn this is in the small phrase, the micro-cosmos, in the eight-note pause between phrases, the C Major chord unexpectively resolving not to a f minor, but to a D flat Major. That's where the secret lies. The small hole in the matrix, in the big picture we call our reality. Music.

Listen to the Legato by Mikael Rudolfsson - Trombone

Answering the question, which trombone players I'd recommend to listen to, I discovered just how important sound and legato are to me. And how independent of genre.

After hesitating for a few moments, I mentioned three good examples, all of them jazz/commercial players:

  • Urbie Green
  • Dick Nash
  • Bill Watrous

In the case of Dick Nash, it's often not even possible to find out on which studio recordings he plays on. But - oh, what a style!

Keep swinging!


Mikael

Visiting Earth by Mikael Rudolfsson - Trombone

There are a couple of things I would have a difficulty to understand, if I came visiting earth as an alien: how humans sometimes choose to live in groups under such incompetent leaders, how most of us spend most of our lives working with things we don't like and the rest of our time in weird trains on our way back and forth to this work, swiping our smartphones. And...why we take utmost care in practical details and everyday perfection, choosing the right soy milk, but not always the same care in the emotional details of life.

But, as always, there are also things on earth that would impress me immensly - the fruit for instance. So simple and so delicious. Or the amazing beauty of our nature, the frozen lakes of the North, the red soil of Africa.

In spite of all these astonishing and beautiful things, though: I wouldn't understand what the whole fuzz is all about before I heard music. Imagine (still being an alien, of course) coming to a concert hall with an empty stage, asking yourself what people are doing there in their evening dresses. And then, the musicians come on stage and it sounds, finds its way through flesh and bones, to the very core of us, the place nobody has managed to describe. Makes us complete in a way that no other form of art I know can.

All of our highways, our drainpipes and toilets, infrastructure nets and breakfast buffets, tax departments and smartphones, banks and cars, everything to no point without culture - our content in life. For me: the reason for keeping up the functioning world, the one thing that defines us as humans. Out in space. And here back home.

Happy New Year!

Yours,

Mikael

Musik konservieren by Mikael Rudolfsson - Trombone

Wie kann man Musik festhalten? Ist es überhaupt möglich, dieses klingende Zeitfenster Magie zu konservieren, zu fangen, ähnlich dem Fangen der Träume in Roald Dahls "Sophiechen und der Riese", ein Buch in dem der gute Riese GuRie Träume aus dem Traumland holt, in Einmachgläsern sammelt und nachts in seine Trompete gießt, um sie in die Schlafstuben der Kinder zu blasen und dadurch ihnen schöne Träume zu bescheren?

Ich lebe streng nach der Devise "Music doesn't take time, it takes place in time" aber letzte Woche haben wir es mit meinem Quintett Ensemble Schwerpunkt gewagt, nach ganz anderen Prinzipien zu arbeiten. Wie ein Eisbrecher auf dem Weg zum Nordpol haben wir mit allerhöchstem Anspruch die besten Stücke unseres Kernrepertoires im Deutschlandfunk-Kammermusiksaal in Köln für unsere erste CD aufgenommen. Und zwar Satz für Satz, Teil für Teil, Takt für Takt.

Aufnehmen hat nichts mit konzertieren zu tun. Es fordert komplett andere Fähigkeiten, ist ein teilweise mühsamer, sehr langer Prozess. Aber, wie unser Tonmeister gesagt hat, es ist möglich Musik zu konservieren. Man muss dann aber anders vorgehen. Und nachdem ich die ersten Ergebnisse oben im Studio gehört hatte war ich mir gewiss: es wird ein Hörerlebnis sein. Wir haben auf solch kleine Details Wert legen können, mit den feinsten klanglichen und technischen Werkzeugen arbeiten können, mit Extraohren und Extramikros und Extrakonzentration was erschaffen, was im Konzertsaal nicht möglich ist. Der Tonmeister nochmal: man kann ein Musikerlebnis für die Ewigkeit konservieren, das jederzeit abrufbar ist und immer die Frische behält.

Wie ein Traum in einem Einmachglas.

IMAGINATION // On braking the wall and turning 30 by Mikael Rudolfsson - Trombone

IMAGINATION
On Breaking the Wall and Turning 30

France inspired me. Again. Last week, I had the great pleasure of celebrating turning 30 (so, mathematically speaking, my 31th birthday) in Dijon with all my new Klangforum collegues, many singers from the Pinocchio-production and other friends. A wonderful evening with wine (for the others), food, music, conversations and joie-de-vivre. An evening symbolizing where I stand now, what life has brought and taught me in its first 30 years, 10958 days or however you'd like to count it.

And, since this is a historical change of numbers, I've been thinking. It actually feels a bit like a very refreshing New Year's Eve, or rather the day after, and I discover this as a chance, a possibility to re-think, find new goals and paths and to keep on imagining things and staying creative. And as a sudden surprise, this quotation came to me:

"Rien ne vaut la peine d'être vécu, qui n'est d'abord une œuvre d'imagination ou alors la mer ne serait plus que de l'eau salée"
- Romain Gary

The most beautiful picture: if we wouldn't have our imagination, the sea would be nothing more than salty water. Gary - a dreamer, a literaric hero and a man not willing to compromise with anything. Especially not with dreaming and fantasizing. And so, the sea remains something magical.

If life would be in sonata form, this birthday was probably the end of the Exposition and the beginning of the Durchfürung. Or to put it in John Coltrane's words: the end of the Acknowledgment and the beginning of the Resolution. I'm really looking forward to it.

All the best from Berlin,
Your Mikael

Das gute alte Telefon by Mikael Rudolfsson - Trombone

Man muss nicht mehr "Smartphone" sagen, ein Telefon ist in diesen Zeiten automatisch ein Smartphone, es gibt einfach niemanden mehr der ernsthaft ein Dumbphone besitzt. Außer mir. Mein geliebtes SonyEricsson W810i ist aber unglücklicherweise vor drei Wochen aus meiner Tasche in die Ostsee gerutscht. Was tun? Naja, ich habe mir sofort ein neues gekauft, natürlich. Identisch, nur in nagelneu.

Was mich erstaunt ist, dass das Besitzen eines Dumbphones nicht öfter als Effektivitetswerkzeug gefeiert wird: Du ersparst dir das Online-Sein, du ersparst dir die Unsicherheit, stets unverschlüsselt, überwacht und digital misbraucht zu werden. Du ersparst dir durch die Effektivizierung die das alles mit sich führt Zeit, das kostbarste Gut was wir haben. Und du förderst das eigene Denken, muss deinen Orientierungssinn pflegen, selber ein paar Zahlen, Vokabeln und Fakten im Kopf behalten die du sonst gegoogelt hättest. Eine Herausforderung - und eine direkte Intelligenzförderung, würde ich behaupten.

Das ist aber nur der Anfang: Die praktische Größe, die unglaubliche Akkuzeit, das schnelle Tippen von T9-Nachrichten sind andere Highlights. Und dieses Wunder ist eine Waffe gegen Kommunikationsinflation - wenn eine SMS noch eine SMS ist und Geld kostet, wenn auch nur ein paar Cent, ist sie auch was wert.

Das neue schwarze Teil liegt gut in meiner Hand, summt zufrieden vor sich hin wenn jemand anruft und verkörpert, ganz nebenbei, ein historisches Kapitel schwedischer Industriegeschichte. SonyEricsson, ach, waren das schöne Zeiten. Japanische Präzision und schwedisches Kommunikationsdesign. Ein schönes Pärchen. Zum Glück habe ich noch eines der letzten Exemplare im Neuzustand ergattert. Eine Beziehung die hält. Mindestens 10 Jahre noch.